Meditation in Bewegung

photo of woman posing during golden hour

Wenn ich früher an Meditation gedacht habe, hatte das recht wenig mit Bewegung oder Sport zu tun. Und es hatte auch meistens etwas mit dem angestrengten „Nicht Denken“ zu tun. Den Zustand völliger leere im Kopf zu erreichen oder auf eine ganz bestimmte bewusstseinserweiternde Erfahrung hinarbeiten. In der Tagesklinik lernte ich, dass es bei der Meditation um etwas anderes gehen sollte, zumindest, wenn wir uns auf den Aspekt der Achtsamkeitsbasierten Stressreduktion fokussieren möchten.

Neben der täglichen Morgenmeditation wurden wir in meditative Sportarten und die Gehmeditation eingeführt. Und ich habe an den meistens Sportarten gefallen gefunden. Wobei ich auch dort oft körperlich und seelisch an meine Grenzen gestoßen bin.

Frust und Wut beim Sport

Ich bin ganz ehrlich: So gerne ich auch Sport mache, so schnell frustriert dieser mich auch. Außerdem scheint er meine meist unterdrückte Wut recht leicht an die Oberfläche zu bringen. Ich bin ein fürchterlicher Sportpartner an einigen Tagen.

Dabei bin ich ein Mensch, der Bewegung sehr zu schätzen weiß und habe mich früher häufig sportlich betätigt. Radfahren, Schwimmen, mit dem Hund wandern, Reiten und Bauchtanz gehörten zum festen Bestandteil meines Lebens und nahmen viel Zeit an. Die wachsende Antriebslosigkeit durch meine Depression und das gesteigerte Schamgefühl wegen meiner durch eine Essstörung begünstigte Adipositas ließen mich immer weniger Sport in meinen Alltag einbauen.

Gleichzeitig lösen Bewegungen in mir tiefe Emotionen aus. Ohne zu dramatisieren: Beim Sport habe ich bereits Wut, Frust, Sehnsucht, Trauer und Freude empfunden. Selten lässt mich sportliche Tätigkeit einfach ohne Stimmungswechsel zurück. Und wenn wir eine Bewegung so oft getan haben, dass wir über sie nicht mehr nachdenken müssen, dann wird Sport zur Meditation.

Die Gehmeditation

Spazieren gehen kann jeder. Doch selten gehen wir spazieren um des Spazieren willens. Wir gehen raus „um den Kopf frei zu kriegen“ oder „um die Natur zu genießen“ oder auch „um sich die Beine zu vertreten“, und das ist ein wunderbarer Grund. Doch die Gehmeditation beinhaltet die Fokussierung auf den eigenen Körper und kann auch innerhalb der eigenen vier Wände oder eben draußen durchgeführt werden.

Versuche einmal zu Hause z.B. den Flur auf und ab zu geben, ganz langsam und mit halb geschlossenen Augen. Achte einfach auf das Gefühl deiner Füße. Was spürst du und was hörst du? Welche Geräusche lösen deine Schritte aus?

In der Bewegung bei der Gehmeditation festgestelltes interessantes Schattenbild.

Qigong

Bei Qigong/Qi Gong handelt es sich um eine meditative und konzentrationsfördernde Bewegungsform, sie ist der Kampfkunst Tai Chi (Chuan) sehr ähnlich. Ich persönlich habe wunderbare Erfahrungen beim Qigong gemacht, so hat mich das durchlaufen der verschiedenen Formen in Verbindung mit Musik an den Bauchtanz erinnert. Jahrelang habe ich mich für das Tanzen nicht gut genug gefühlt und diese Sportart hat mich wieder an das Tanzen und an ein positives Körpergefühl zurück gebracht.

Bei Youtube gibt es schöne Anleitungsvideos um ein wenig in diese Sportart reinzuschnuppern.

Bereits 10-15 Minuten am Morgen ändern das eigene Körpergefühl nachhaltig und ich muss leider sagen, dass ich in letzter Zeit nicht häufig dazu gekommen bin.

Schwimmen

Gerade wenn man ruhig seine Bahnen zieht in einem angenehm leerem Schwimmbecken kommt man nach einiger Zeit an dem Punkt, wo man außer dem Rauschen des Wassers kaum noch etwas wahrnimmt. Zumindest bei mir ist das so.

Ich persönlich habe eine ganz besondere Verbindung zum Wasser. Ich bin quasi im Plöner See in Schleswig Holstein aufgewachsen. Meine Großeltern besaßen dort einen festen Campingstellplatz und ich verbrachte viele Wochen und Wochenenden dort. Mit meinen Großvater ging es zum Segeln und auf dem Campingplatz gab es eine Badestelle mit Badeinsel. Man durfte so weit auf den See hinaus, wie man noch sicher war.

Und viel Zeit im Herbst 2-4 Wochen verbrachte ich in Spanien in Benidorm direkt am Meer an der Costa Blanca mit Blick auf die kleine Insel L’Illa de Benidorm. Das Meer war zu dieser Zeit noch herrlich warm und ich liebte es durch die Wellen zu tauchen.

Gerade wenn man sich nun im heimischen Schwimmbad früh morgens mal einbucht, zum Frühschwimmen und dann gemächlich seine Runde dreht merkt man wie die Anspannung aus dem Körper herausgeht. Versuche auch hierbei beim Schwimmen und deinen Empfindungen zu bleiben und du machst es zu einer meditativen Handlung.

Yoga

Die klassische Variante von achtsamer Körperarbeit. Yoga soll den Geist zur Stille führen und endet mit der Abschlussentspannung Savasana – eine liegende Position mit geschlossenen Augen und leicht geöffneten Armen.

Es gibt verschiedene Yoga Stile, einige davon bedienen eher den sportlichen Aspekt und andere den Aspekt der Meditation. Hatha Yoga bezeichnet zum Beispiel die körperbetonte Art mit häufig auch kraftbedürftigen Asanas. Als Asana bezeichnet man die einzelnen Yogaübungen. Ashtanga/Vinyasa Yoga wiederum dreht sich um die Perfektionierung von Yogaflows (Vinyasas) und das Yin Yoga befasst sich mit dem gezielten Anspannen, Entspannen und Halten von Übungen. Hierbei werden Positionen bis zu 10 Minuten gehalten.

Eine Übersicht über weitere Yoga Stile findet ihr zum Beispiel auf Yogaeasy!

Nordic Walking

Früher habe ich gedacht Nordic Walking ist dafür da um alte Menschen das Gefühl von Sport zu geben. Inzwischen weiß ich, dass Nordic Walking nicht nur viel Kraft kostet, sondern den Körper auch geschmeidig hält und einen zu einem guten Gehrhythmus animiert.

Anders als beim Spazieren gehen neigt man bei korrekter Ausführung der Bewegungen im Nordic Walking nicht zum Trödeln. Wichtig hierbei ist es sich aber gut beraten zu lassen, welche Stocklänge für einen geeignet ist. Die Griffe sollten bis zum Bauchnabel oder maximal darüber reichen, sodass die Arme beim Gehen noch hängen gelassen werden können. Es handelt sich nämlich nicht um Gehstöcke mit denen man sich abstützt oder nach vorne zieht/drückt. Wichtig ist es auch Arme und Beine diagonal zueinander zu führen. Nur so kommt man in eine fließende Bewegung, die auch die Oberkörpermuskeln dehnt und beansprucht.

Nach den ersten 10 Minuten sollte man kurz stehen bleiben und ein paar Dehnübungen machen, um Schmerzen oder Krämpfe zu vermeiden.

Warum (fast) jede Bewegung zur Meditation werden kann

Gerade Sportarten in denen ein Bewegungsablauf immer wieder auf die möglichst identische Weise ausgeführt wird, eignet sich hervorragend um sich bewusst aus dem Automatismus herauszuholen und jede einzelne Bewegung neu zu entdecken. Und dieses bewusste Entscheiden dazu für die Handlung ganz bewusst wahrzunehmen ohne über den nächsten Einkauf oder Termin nachzudenken macht es zu einer Meditation.

Jemand erzählte mir, wie sogar der Rudersport zu einer achtsamen Tätigkeit wird. Er nimmt sich gerne die Zeit um die Ruderbewegung an der Rudermaschine möglichst gleichmäßig und perfekt auszuführen. Dafür muss man sich allerdings die Mühe machen und aus der automatischen Bewegung herauszutreten und wieder bewusst jeden Schritt einzeln und langsam durchzuführen.

Sobald unser Kopf bei einer Tätigkeit auf Autopilot schaltet, ist es umso wichtiger sich die Zeit zu nehmen und sich zu entscheiden diese Handlung selbstständig durchzuführen. Ohne Autopiloten. Im Sinne der achtsamen Meditation, die uns das Denken bewusst machen soll, kann also jede Bewegung vom Aufstehen bis zum allabendlichen Zähneputzen zur Meditation werden.

Welche Sportart kannst du voll fokussiert durchführen oder wo merkst du, dass du abschweifst?


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