#04 Journal – mächtige Aengste überwinden

Ein selbstgemaldes Bild. Ein Meer und zwei Berge in Öl.

Es ist schon wieder passiert. Nicht nur, dass der Winterblues mich auch dieses Jahr aus den Socken gehauen hat, auch habe ich mich von meinen Ängsten behindern lassen. Die erste Auswirkung habt ihr direkt miterlebt. Ich habe diesen Beitrag einen Tag zu spät geschrieben und hochgeladen. Jeden Mittwoch zwischen 9 und 11 kommt normalerweise ein Beitrag, doch diesen blieb es still.

Mit meinen Ängsten kommt eine Unsicherheit und Befürchtung zu versagen, die mich jedes Mal lähmt. Das ich etwas derartiges derzeit erlebe, hätte mir letzten Dienstag bereits auffallen müssen. Denn die Sitzung mit meiner Therapeutin bestand dieses mal aus Small Talk. Ich hatte keine Lust über meine Probleme zu reden und habe sie eher fragen lassen oder über Belangloses geredet.

Eigentlich wollte ich hier jetzt einen Text darüber schreiben, was für Ängste ich habe und dass ich es geschafft habe sie zu einem Stück weit zu überwinden. Doch ich habe den Text gerade wieder gelöscht. Die Angst davor, dass jemand es lesen und falsch verstehen würde, war zu groß.

Ich sitze hier mit einem großen Sack von Angst, und doch fühle ich mich ein wenig sicherer. Tatsächlich habe ich einen großen Schritt vorwärts gemacht und fühle mich jetzt trotzdem noch unsicher, oder sogar vielleicht ein wenig unsicherer.

Zunkunftsängste

Obwohl noch nichts passiert ist zerfressen mich Schuldgefühle und die Angst vor dem „Was-wäre-wenn“. In der Therapie habe ich bereits festgestellt, dass ich mich nicht auf das „Was ist wenn es besser wird?“ sondern nur auf das „Was ist wenn alles noch viel schlechter wird?“ konzentriere und seitdem versuche ich mich wirklich auf ersteres zu fokussieren. Doch es ist so schwer seine Angst zu überwinden und zu hoffen. Hoffnung ist etwas, dass hat man oder man sehnt sich danach. Und ich vergehe aktuell fast vor Sehnsucht.

Sie zerfrisst mich und behindert mich. Aus Angst, dass auch nach dem Abnehmen mein Kinderwunsch nicht erfüllt werden kann oder es erneut zu einer Fehlgeburt kommt, nehme ich gar nicht wirklich ab. Ich versuche es, doch wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin nur halbherzig.

Ich werde behindert von der Vorstellung, dass bei einem anderen Arbeitgeber alles noch viel schrecklicher wird und mich die Menschen dort vielleicht hassen werden.

Auch die Sorge vor einer neuen Nachbarschaft und finanziellen Last die mit einem Umzug verbunden ist, lähmt mich. Es könnte ja sein, dass wir anstatt nur viel zu laute Nachbarn, plötzlich auch noch aufdringliche oder aggressive bekommen. Oder noch schlimmer, sie könnte selbst von der Polizei unbelehrbar sein.

Und zuletzt gibt es auch noch ein sehr persönliches Thema, ich habe solch eine Angst vor Ablehnung, dass mein intimes Leben mit meinem Partner aktuell komplett eingeschlafen ist. Zu gerne würde ich mich sicher fühlen, doch die Wahrheit, die sich in mir breit gemacht hat lautet: Du bist hässlich, unbeweglich und fett. Und wenn es gerade nicht dass ist, denke ich an mein verlorenes Kind und dann ist auch jede Lust verflogen.

Traurige Wahrheit

Diese Erkenntnis verfolgt mich jetzt seit ein paar Tagen und ich habe aktiv versucht dagegen anzugehen. Und es wie immer zu Verleugnen, aber jetzt setzt zudem ein ambivalentes Gefühl von Zuversicht ein, dass meine Entscheidung etwas zu verändern, die Richtige war.

Ich bin schlichtweg gelähmt von Angst und Sorgen um ein Leben, welches ich gerne Leben würde es aber nicht tue. Man kann das Schicksal nicht beeinflussen. Die Nornir weben die Zukunft unerbittlich weiter und egal was passiert, die Welt dreht sich weiter. Wenn ich mich in Schockstarre begebe und nicht weiter mache, oder mich selbst belüge und die ewig gleiche Leier als tolle neue Innovation verkaufe, betrüge ich nur mich selbst.

Bedeutet die Erkenntnis jetzt, dass ich plötzlich alles anpacke und endlich aufhöre mich selbst zu belügen? Hell no!

Aber vielleicht rede ich über diese kleine Erkenntnis mal am Dienstag mit miner Therapeutin und vielleicht regt mich die erste große Veränderung dazu an weiterzumachen. Und auch wenn dieser Beitrag dieses Mal etwas kürzer ausgefallen ist, so kommt er doch vom Herzen.

Das Bild von einer in den Sand gezogenen Spirale in einem Specksteingefäß. Wie eine Spirale der Angst.

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