#03 Journal – Fitnessstudio als Dicker

Das Bild eines Stromverteilerkasten, welcher bemalt wurde und einen Seeblick zeigt.

Ich habe im September endlich eine Anmeldung in einen Fitnessstudio abgeschlossen mit dem Ziel mindestens zweimal die Woche zu sporteln. Als Dicke habe ich mich in einigen Fitnessstudios wirklich unwohl gefühlt und hoffte nun, dass in dem Sportverein mit Studiobereich sich das Glück wenden würde.

Meine ersten Eindrücke waren leider dadurch getrübt, dass das Studio in meinem Stadtteil – der eher als schlechter betucht angesehen wird – noch nicht wieder öffnete. Während die in den besseren Wohngegenden schon knapp zwei Monate geöffnet waren. Da eines der Studios aber nah an meinem Arbeitsplatz liegt, schloss ich trotzdem einen Probetermin ab.

Eigentlich hatte ich über eine Mitgliedschaft im Bäderland Schwimmclub nachgedacht, doch meine Lieblingshalle „Alsterschwimmhalle“ wird gerade komplett modernisiert und saniert, was noch bis 2023 dauern wird. Da ich aber deutlich besser Sport mache, wenn es einen getrennten Ort zum sporteln gibt, entschied ich mich doch wieder für ein Fitnessstudio.

Unerwünschte Dicke

Bei einem Probeterminen habe ich es erlebt, dass ich in das Studio reinkam und überall nur solariumgebräunte Blondinen und aufgepumpte Muskelberge sah. Das ist an sich nichts schlimmes, jeder möge bitte das Schönheitsideal verfolgen was ihm gefällt, doch in mir löste das ein Unwohlsein aus. Erschwerend kam hinzu, dass ich nicht das Gefühl hatte, dass der Trainer Interesse an meiner Mitgliedschaft hatte. Ich passte optisch nicht zum Studio und egal wie hart ich trainieren würde, ich würde auch nie dazu passen. Die kritischen Blicke der anderen Besucher inklusive.

Das war ein bedauerlicher Einzelfall denke ich, trotzdem war ich deswegen recht angespannt vor meinem ersten Studiobesuch. Würde dieses Mal alles passen?

Tatsächlich passierte folgendes: Ich bekam dann erstmal gar keinen Termin. Es dauerte annähernd zwei Wochen, bis ich es schaffte einen der begrenzten Probetermine zu finden. In der Zeit wühlte ich mich aber zumindest schonmal durch den Kursplan. Hatha Yoga, Fitness für Mollige, Qigong und Feldenkrais waren zu Zeiten verfügbar, die für mich akzeptabel waren.

In meinem Bullet Journal fertigte ich mir einen allgemeinen Wochenplan an, wann welche der Kurse stattfanden. So könnte ich – wenn ich die Mitgliedschaft tatsächlich abschloss – direkt die gewünschten Kurse in meine Woche planen und musste dann nur noch hoffen einen Platz im Kurs zu bekommen.

Aber zurück zu meinem ersten tatsächlichen Probetermin. Es war ein überraschend sonniger Samstag Anfang September und ich kam in guter Stimmung am Studio an. Das Studio selbst wirkte groß, die Umkleiden waren sauber und die Rezeption sehr nett. Im eigentlichen Studiobereich war es sehr ruhig, da aufgrund der Corona Beschränkungen nicht allzu viele Leute gleichzeitig hin ein dürfen.

Dann kam ein etwas schlaksiger, aber nicht unsportlich aussehender Enddreißiger auf mich zu und stellte sich als Trainer vor – ich dachte mi: „Ja schön, daneben fühlt man sich nicht wie die letzte Qualle beim Versuch Sport zu machen“ – doch da der Schichtwechsel kurz bevorstand übergab er mich an seinen Kollegen. Ein junger, muskulöser Mann Mitte 20 mit besser definierten Muskeln, als sie die Muskelattrappen bei Supernatural zu bieten haben.
„Also doch eine Qualle“, mäkelte mein inneres Kind und wollte schon auf stur schalten, doch ich wollte unbedingt unvoreingenommen an die Sache herangehen und erinnerte es an die Wichtigkeit und die Bedeutung meines Entschlusses Sport zu treiben.

Nach einem kurzen Gespräch über meine Ziele arbeiteten wir an einem Trainingsplan. Ich bat den Trainer mir auf jeden Fall die Rudermaschine und den Stepper zu zeigen, da ich ersteres durch meinen Arzt empfohlen bekommen hatte und letzteres selbst sehr mochte. Tatsächlich wurde mein Wunsch auch fast berücksichtigt. Stepper ja, Rudermaschine nur in der Lightversion. Also ohne Beinarbeit – dafür kam neben Beinpresse, Rückenpresse und Co. auch das Kinesio-Gerät zum Einsatz, was ich so noch gar nicht kannte.

Er hat für mich ein Programm mit 7 Übungen (~ 20 Wiederholungen mit 3 Sätzen) + 30 Min Cardio ausgearbeitet und ich war mir nicht sicher, ob das nicht zu überfordernd wäre. Doch ich möchte wirklich abnehmen und zum anderen habe ich mir dann erstmal das Ziel gesetzt solange zu trainieren, bis ich diesen Trainingsplan auch schaffe. Wenn ich erstmal nur halb so viel schaffe: Auch gut!

Mein Probetermin endete also in einer abgeschlossenen Mitgliedschaft im Verein und Sportstudio!

Mein Fitnessstudio und Ich

Ich entschied mich nun also für das Paket der normalen Vereinsmitgliedschaft, die mich berechtigt an allen Sportkursen teilzunehmen und der Zusatzmitgliedschaft für den Geräte & Studiobereich. Die Kurse sind der eigentliche Grund, wieso ich auf diesen Verein aufmerksam gemacht wurde, denn sie bieten ja auch Qigong an.

Die Sauna wiederum war für mich weniger interessant. Hamburg hat viele wunderbare Bäder mit Sauna und Wellnessoption, welche sicherlich bald wieder normal genutzt werden können. Mein großer Vorteil hierbei ist natürlich der vollständige Corona-Impfschutz, der mir einen einfachen und planungsfreien Zutritt zu den meisten Freizeitaktivitäten bietet.

Hier jedoch intervenierte mein Mann und sagte, ich solle direkt die Mitgliedschaft auch mit Sauna abschließen. Natürlich dürfe ich auch im Schwimmbad sooft ich wolle in die Saune, aber da es mir eher um die monatlichen Kosten ging, sollte ich mir keinen Stress machen, sondern mich selbst etwas mehr lieb haben. Ich gehe gerne in die Sauna und solle das Angebot dazu dann auch nutzen. Außerdem helfe es ja auch beim Abnehmen und Entgiften.

Mit einer positiven Motivation begann ich also wieder in einem Studio zu trainieren. Mein Ziel liegt bei 2x Wöchentlich ins Studio für mindestens 45 Minuten. Und einmal im Monat wollte ich auch gerne einen der Kurse besuchen. Die Kurse sind, so konnte ich lesen, jedoch immer recht fix ausgebucht und man kann nur vier Tage im Voraus buchen. Letzteres ist tatsächlich äußerst ärgerlich – somit sind eine geregelte Wochenplanung für diese Termine kaum möglich.

Allerdings ist die Auswahl dafür wirklich groß und man kann im Zweifel sicherlich auch mal in einen andere Yoga, Pilates oder ähnlichen Kurs reinschnuppern, wenn der gewünschte leider ausgebucht ist.

In meinem letzten Sportstudio entschied ich mich zum Beispiel gänzlich gegen die Kurse, da sie mir immer überfüllt vorkamen und ich die Musik aus den Kursräumen fürchterlich fand. Alles in allen wirkte es wie eine Mischung aus Gameshow und Massenabfertigung. Allerdings kündigte ich dort nicht wegen den fehlenden Kursen, sondern weil sie meine Filliale schlossen und die nächste sowohl von meinem Wohnort, als auch der Arbeit viel zu weit entfernt lag.

Der neue Verein sollte also meine Wünsche in Hinblick auf Kurse und Gerätebereich, sowie Sauna vollständig abdecken und mir ein Gefühl von Sicherheit und Motivation vermitteln und hoffentlich auch bald wieder das Center in meinem Stadtteil eröffnen. Eine recht unfaire Wunschliste von mir!

Und so ging es los!

Im ersten Monat erreichte ich eine Trainingszeit von 2x 60 Minuten die Woche und besuchte keinen Kurs. Mein Ziel hatte ich also gut erreicht. Gerade in den ersten zwei Wochen war Sport aber noch sehr ungewohnt und ich vergaß – neben meiner Wasserflasche – auch mal mein Unterleghandtuch, Ersatzunterwäsche, meine Badeschlappen und mein Duschgel. Das Handtuch war ärgerlich, da ich dann an den Geräten mit Sitznutzung nicht trainieren konnte. Stattdessen machte ich an dem Tag nur Cardio und Übungen an Geräten, die im Stehen genutzt wurden.

Ja, einige benutzen die Geräte auch ohne Handtuch, werden einige von euch vielleicht jetzt murmeln, das Problem ist jedoch, dass ich bereits nach 15 Minuten Sport oder mitunter auch den bloßen Hochtragen meiner Einkäufe in den dritten Stock völlig nass vor Schweiß bin. Bei meinem Übergewicht ist es nicht unüblich sich vielleicht zwei-dreimal am Tag umzuziehen. Das empfände ich für andere Sportteilnehmer als äußerst unhygienisch und rücksichtslos.

Mit meinem Mann entschied ich dann recht schnell, dass ich neue Sportschuhe brauchte, denn meine waren an den Hacken schon recht abgenutzt und gerade bei meinem Gewicht sind gute Schuhe ein Muss – schließlich müssen meine Füße aktuell noch 50kg Übergewicht mit sich rumschleppen. Leider sind wir aber nicht zum Shoppen gekommen, dass steht noch an.

Außerdem besorgte ich mir auch eine neue angenehme Trinkflasche mit „Saugprinzip“ damit ich beim Sport nicht immer umständlich den Verschluss auf und zudrehen musste oder labbrige Plastikflaschen zerquetschte.

Zuhause versuchte ich zudem regelmäßig mal aufs Ergometer zu steigen, die 8 Brokate im Qigong zu wiederholen oder einfach wirklich mehr Bewegung in Form von intensiven Putzen oder Sperrmüllentsorgung in den Alltag zu integrieren. Ich wollte es aber nicht übertreiben, denn bereits 5 Minuten auf dem Ergometer reichen aus um mich ordentlich ins Schwitzen zu bringen. Ein deutliches Sinnbild dafür, dass ich meinen Körper in den letzten Wochen und Monaten nahezu ignoriert habe.

Aussicht beim Fitnesstraining um das Dicke wegzukriegen: Viel Grün mit herrlichem Wasser.

Mein Mann unterstützt mich beim Sport übrigens nur soweit, dass er mich nicht daran hindert. Er ist ein Sportmuffel, hat es aufgrund seines Körpers aber auch nicht nötig tatsächlich mit zu trainieren. Trotzdem hoffe ich ihn in nächster Zeit ihn dazu zu bringen mit mir loszugehen.

Wenn ich es erstmal auf ein Maß gebracht habe, wo ich mit ärztlichen OK auch zum Joggen raus darf, werde ich ihn sicherlich zu einem kleinen Lauftraining animieren können. Die Hoffnung stirbt zuletzt 🙂

Fazit zum Verein

Im allgemeinen gefällt mir die Mitgliedschaft im Verein.

Der Studiobereich ist angenehm und nicht überfüllt, doch durch die Zeitfenster-Buchung wegen Corona ist das hier vielleicht nicht das ungefilterte Bild. Mit der Hygiene war ich auch im allgemeinen zufrieden, nur die Rücksichtnahme einiger Mitbenutzer der Duschräume ließ zu wünschen übrig. Da wurden dann schonmal Seifenreste nicht zum Abfluss geschoben, sondern das restliche Duschwasser einfach ignoriert. Was gerade in Gemeinschaftsduschen eine echte Gefahr darstellen kann, aber hier bin ich durch jahrelanges Camping mit Gemeinschaftsduschen auch etwas voreingenommen.

Über die Kurse kann ich nun leider doch nichts sagen, da es zu unerwarteten Komplikationen in meinem Leben kam, die mehr Zeit erforderten, wodurch ich de Sport auch etwas habe schleifen lassen im zweiten Monat.

Die Sauna konnte ich leider noch nicht nutzen.

Und das Studio in meinem Stadtteil?
Wurde Anfang September – kurz nach meinem Probetermin – endlich wiedereröffnet, sodass ich dort dann auch trainieren konnte. Wie schön! Auch hier treffen die oben genannten Punkte zu.

Ich werde auf jeden Fall am Ball bleiben und weiterhin versuchen mit Sport meinem Wunschgewicht endlich näher zu kommen. Im nächsten Monat folgt auch noch ein kleiner Beitrag zu meinen aktuellen Gewichtswerten und die entsprechende Verlustkurve, sowie eine kleine Übersicht meiner Sporterfolge und meiner aktuellen Ernährung. Bleibt also gespannt!


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